WELTKULTURERBE BELGIEN
Welterbe Belgien:
Flämische Beginenhöfe
Schiffshebewerke des Canal du Centre
Grand Place in Brüssel
Mittelalterliche Glockentürme
Jungsteinzeitliche Feuersteinminen bei Spiennes
Altstadt von Brügge
Kathedrale Notre Dame in Tournai
Jugenstilbauten von Victor Horta in Brüssel
Plantin- Moretus Museum
Palais Stoclet
Das Königreich Belgien, das in drei Regionen – Brüssel-Hauptstadt, Flandern und Wallonien – gegliedert ist, besitzt in allen Landesteilen von der UNESCO anerkannte „Schätze der Menschheit“.
Grand’ Place / Großer Platz (Brüssel)
Brüssels Visitenkarte und wohl der am häufigsten besuchte Ort der belgischen Hauptstadt ist die Grand’ Place mit ihrem herzförmigen Grundriss inmitten der historischen Altstadt. Dem weitsichtigen Bürgermeister Charles Buls ist es zu verdanken, dass dieses einmalige städtebauliche Ensemble mit dem reich verzierten gotischen Hôtel de Ville (Rathaus) und den verspielten Giebeln der Brüsseler Gildehäuser im späten 19. Jahrhundert nicht der Spitzhacke zum Opfer fiel. Sieben Jahrhunderte zuvor war der Platz ein Ort geschäftigen Handelns und Feilschens. Tuche aus flandrischem Flachs und englischer Wolle wechselten ihren Besitzer. Brot, Fleisch, Heringe, Butter und Gewürze wanderten vom Markt in die Kochtöpfe der Brüsseler.
Die Jugendstilbauten Victor Hortas (Brüssel)
Brüssel ist aber nicht nur wegen der Grand’ Place bekannt – sieht man einmal von Manneken Pis ab -, sondern auch wegen seiner zahlreichen Bauten im Stil der Art nouveau. Für diesen avantgardistischen Stil am Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts steht vor allem ein Name: Victor Horta. Wie kein anderer Architekt hat er die mondänen Stadtvillen und Stadthäuser begüterter Brüsseler Industrieller und Intellektueller gestaltet. Dabei war er darauf bedacht, transparente Strukturen zu schaffen und die Konstruktionselemente aus Eisen und Nieten nicht zu verhüllen. Hôtel Tassel (1884), Hôtel Solvay (1894), Hôtel van Eetvelde (1895-1897, 1900-1901) sowie Maison und Atelier Horta (1898-1901) sind die wichtigsten Bauwerke, die der in den Adelsstand erhobene Architekt der Nachwelt hinterlassen hat.
Brügge (Westflandern)
Als besonders schützenwertes und authentisches Flächendenkmal wurde die westflämische Stadt Brügge, das „Venedig des Nordens“, von der UNESCO in den Reigen der Welterbestätten aufgenommen. Die auch als „Flämisches Amsterdam“ bezeichnete, von Grachten durchzogene Stadt ist in ihrer mittelalterlichen Anlage weitgehend erhalten geblieben. Dank der Tuchmacher und der Hanse besaß sie bis ins 14. /15. Jahrhundert hinein hohes Ansehen und Wohlstand. Manch spitzzüngige Kritiker von heute sehen in Brügge ein verträumtes Puppenheim, an dem die Moderne nahezu spurlos vorbeigegangen ist. Sieht man einmal von Konzertbau ab, der 2003 feierlich eröffnet wurde, als Brügge Europas Kulturhauptstadt war, findet man kaum moderne Bauwerke. Statt dessen sind in der Innenstadt 300 Bauten als historische Baudenkmäler unter Denkmalschutz gestellt worden und strahlen mit ihren backsteinernen Fassaden einen besonderen Charme aus.
Glockentürme in Belgien
Die meisten Glockentürme, die zum Weltkulturerbe gehören, findet man in der Region Flandern, ob nun in Aalst, Dendermonde oder Mechelen. Einige dieser Glockentürme sind Teil eines Rathauses, andere wie in Antwerpen und auch in Mechelen sind Stadt- wie auch Kirchtürme. Alle Glockentürme besitzen ein wohlklingendes Glockenspiel, das regelmäßig von den jeweiligen städtischen Glockenspielern angestimmt wird. Einst dienten diese Glockenspiele dazu, die Bürger vor Feuerbrunst und anrückenden Feinden zu warnen. Nicht nur in Flandern, sondern auch im Südteil Belgiens, in der Region Wallonien, stehen solche Türme am Rande oder im Zentrum der Stadt, so in Namur, Charleroi, Binche, Mons, Gembloux (ernannt 2005) und Thuin.
Seit 2005 wurde das Welterbe Glockentürme in Flandern und Wallonien um Glockentürme in Nordfrankreich, in den Regionen Picardie und Nord Pas de Calais erweitert. Insgesamt befinden sich 33 Glockentürme – bisweilen einschließlich Rathäuser – auf der Liste der flämischen und wallonischen Glockentürme, im Flämischen Belfried und im Französischen Beffroi genannt. Auf französischer Seite, in Nordfrankreich und in der Umgebung von Paris, stehen noch einmal 23 Glockentürme auf der Liste des Welterbes, darunter Glockentürme in Calais, Bethune, Amiens, Lille und Boulogne.
Flämische Beginenhöfe
Typisch für die niederen Lande - und zu denen gehörte das heutige Königreich Belgien mit den Landesteilen Flandern und Wallonien einst - sind die Beginenhöfe, die man heute, wenn auch ohne Beginen, in flämischen Städten wie Tongeren, Mechelen, Lier und Kortrijk findet. Hier lebten einst adlige und einfache Frauen in Frauengemeinschaften zusammen. Sie kannten kein Armutsgelübde und unterhielten sich durch eigene Arbeit, zum Beispiel durch das Bleichen der Wäsche. Jederzeit konnten die Beginen den Frauenbund verlassen und sogar heiraten – und das unterschied sie von Mitgliedern eines Nonnenordens. Neben Straßenbeginenhöfen wie in Tongeren gibt es Hofbeginenhöfe wie in Brügge.
Canal du Centre (Hainaut)
In einem Land, das über Jahrzehnte von Stahl und Kohle geprägt wurde, findet sich auch ein Welterbedenkmal, das an die „moderne Eisenzeit“ erinnert. Dabei handelt es sich um vier historische Schiffshebewerke am Canal du Centre. Zwischen Houdeng-Goegnies und Thieu waren einst vier, seit 1992 unter Denkmalschutz stehende Schiffshebewerke unabdingbar, um die Schifffahrt zwischen Sambre und Schelde zu gewährleisten. Diese wurden mit Wasserkraft betrieben und machten den 1888 bis 1916 entstandenen Canal du Centre zu einer wichtigen nationalen Wasserstraße.
Jungsteinzeitliche Feuersteinminen bei Spiennes (Mons)
In der gleichen Provinz wie der Canal du Centre befinden sich die jungsteinzeitlichen Feuersteinminen bei Spiennes. Diese Lagerstätten sind die größten bisher bekannten ihrer Art in Europa. Abgebaut wurde in Spiennes das kieselige, blauschwarz, aber auch grau und bräunlich gefärbte Gestein in unterirdischen Schächten. Aus diesem wurde in der Zeit zwischen 5000 und 1800 vor unserer Zeitrechnung Geräte und Waffen hergestellt. Um überhaupt dieses Gestein abbauen zu können, mussten die bis zu zwölf Meter tiefen Schächte mit einfachem Gerät, Geweihpickeln und Knochenschaufeln, gegraben werden.
Platin-Moretus-Museum (Antwerpen)
Schließlich wurde auch das Antwerpener Platin-Moretus-Museum als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt. Als Denkmal geschützt ist das ehemalige Wohn- und Verlagshaus von Christoffel Plantin, das von 1576 bis 1876 als solches genutzt wurde. In diesem Haus befindet sich unter anderem ein Archiv, das sich über 154 laufende Meter ausdehnt. Neben der Druckerei und der Setzerei umfasst das Museum auch ein barockes Kunstkabinett und eine aus dem 16. Jahrhundert stammende Bibliothek.
Ferdinand Dupuis-Panther
Welterbe Belgien im Detail:
Flämische Beginenhöfe (K/1998)
Die vier Schiffshebewerke des Canal du Centre (K/1998)
Der Große Platz (Grote Markt / Grand' Place) in Brüssel (K/1998)
Belfriede (mittelalterliche Glockentürme) in Flandern und Wallonien (K/GÜ/1999; 2005 erweitert)
Jungsteinzeitliche Feuersteinminen bei Spiennes (Mons) (K/2000)
Altstadt von Brügge (K/2000)
Kathedrale Notre Dame in Tournai (K/2000)
Jugendstilbauten von Victor Horta in Brüssel (K/2000)
Plantin-Moretus Museum (K/2005)
Palais Stoclet (K/2009)
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Belfriede in Flandern und Wallonien
